Weihbischof em Dr. hc. Martin Wiesend 92jährig in Bamberg gestorben
"Für euch bin ich Bischof, mit euch bin ich Christ. Das eine ist Amt, das andere ist Gnade" - diese Worte des großen Kirchenlehrers Augustinus standen auf dem Gedenkbild zur Bischofsweihe. Dazu die Bitte: "Bete für Martin Wiesend, zum Bischof geweiht am 27. März 1967, damit Gott seinen Dienst an seinem Volke segne". Der Bamberger Weihbischof em. Dr. hc. Martin Wiesend, Titularbischof von Migirpa - ein in der alten römischen Provinz Karthago gelegenes aufgelöstes Bistum – , ist in den frühen Morgenstunden des 7. März 2003 in Bamberg gestorben.
Bei seiner Bischofsweihe versicherte damals der neue Weihbischof schlicht und einfach: "Ich möchte nichts anderes als ein guter Bischof werden und der Kirche von Bamberg richtig dienen." Seine Jahre bischöflichen Tuns waren angefüllt mit unermüdlichem Dienst, mit Altar- und Kirchenweihen, Firmungsreisen, Pilgerfahrten, Spendung von heiligen Weihen, Teilnahme an Konferenzen. Viele Ämter waren ihm aufgebürdet. Sie nahmen ihn in Pflicht. Der Weihbischof verstand sie mehr als Dienst an den Menschen, zu deren Heil. Er suchte die Menschen. Stets hat er die Gelegenheit benützt, sich mit den Gläubigen, mit den Pfarrgemeinderäten, mit den Mitgliedern der Kirchenverwaltungen an den Tisch zu setzen und mit ihnen zu sprechen. Er war immer im Kontakt mit den Menschen aller Schichten, wusste welche Nöte und Sorgen sie haben. Er sah stets die Realität des Lebens. So etwa 1979, als er sich gegen eine Verharmlosung der mit der Arbeitslosigkeit verbundenen menschlichen Probleme in weiten Kreisen der Bevölkerung wandte. Er sagte damals: "Wir müssen hier noch mehr Phantasie zeigen, um Arbeitsplätze für diese auf Arbeit wartenden Menschen zu schaffen und nicht umgekehrt wie üblich, für perfekt konstruierte Arbeitsplätze gleichsam nur die besten Arbeitskräfte auszusuchen." Weihbischof Wiesend war im wahrsten Sinne des Wortes ein volksverbundener Seelsorger.
Der in Franken so beliebte Bischof war ein Oberpfälzer, in Kulmain geboren und aufgewachsen. Aber die Brennpunkte seines Lebens lagen hier im Fränkischen: Bamberg, Nürnberg und wieder Bamberg sind die mitunter sehr bewegten Stationen dieses Lebens gewesen. Der Ruf des Herrn erreichte den Oberpfälzer Martin Wiesend über einen "Umweg" erreicht. An der Universität München hatte er zuerst Jura studiert, bis sich dann das eigentliche Berufsziel herauskristallisierte. Der Zweitälteste von sechs Geschwistern fand Aufnahme im Bamberger Priesterseminar. Die Priesterweihe empfing er am 31. Januar 1937. Es folgten erste seelsorgliche Einsätze in Fürth, Oberailsfeld und Nürnberg. 1938 kam Wiesend wieder nach Bamberg zurück: als Präfekt am Knabenseminar Ottonianum, wo er von den Buben "Hermes" in Anlehnung an den Götterboten aus der griechischen Sage, der überall unvermutet auftaucht, genannt wurde. Und wie es so spielt im Leben: Der Direktor des Seminars und somit Wiesends Vorgesetzter war der spätere Weihbischof Johannes Lenhardt, dessen Nachfolger er werden sollte. Aber noch ist es nicht soweit. Am Allerheiligen-Tag 1944 übertrug ihm sein Oberhirte die Pfarrei St. Theresia vom Kinde Jesu in Nürnberg. Dort erlebte er die schreckliche Schlussphase des Krieges. Die Gläubigen seiner Pfarrei saßen in Bunkern und Kellern, die Pfarrkirche war niedergebrannt. Ständig war der Pfarrer unterwegs, hielt Kontakt zu den von Schrecken und Leid gezeichneten Menschen und versuchte, so gut er konnte, zu trösten und zu helfen. Nach dem Krieg ging er unverdrossen an den Wiederaufbau: die Kirche erstand wieder, das Pfarrhaus, der Kindergarten. Vier Jahre, von 1958 bis 1962, stand er dem Dekanat Nürnberg vor, wo er die Triebkraft all der religiösen Impulse war, die in den immer stärker sich entwickelnden katholischen Gemeinden Nürnbergs aufbrachen. 1962 wurde der in der kirchlichen Seelsorgepraxis erfahrene Mann in das Bamberger Domkapitel berufen, fünf Jahre später erfolgte seine Ernennung zum Weihbischof von Bamberg.
Mit seinem bischöflichen Wahlspruch nahm Wiesend das Thema des Bamberger Katholikentages (1966) auf: "Auf dein Wort hin will ich meine Netze auswerfen und meine Arbeit tun." Vor diesem Hintergrund war auch zu verstehen, dass die Sorge um kirchliche Berufe und das Bemühen um die Priesterbildung in der Arbeit des Weihbischofs einen hervorragenden Stellenwert einnahmen. Persönlich stark engagierte sich Wiesend auch für die Missionstätigkeit der Kirche: er errichtete die Diözesanstelle Mission - Entwicklung - Frieden und war Bindeglied zwischen den Bamberger Missionaren in aller Welt und der Heimatdiözese. Als Dompropst sorgte er sich um den Kaiserdom: die überzeugende Renovierung ist zuvörderst sein Werk. Anerkennungen blieben nicht aus: Seine Heimatgemeinde verlieh ihm das Ehrenbürgerrecht, der Staat zeichnete ihn mit dem Großen Bundesverdienstkreuz und mit dem Bayerischen Verdienstorden aus, die Universität Bamberg ehrte ihn mit der Doktorwürde "honoris causa".
Bei der Fülle von Aufgaben, blieb da noch Zett für Hobbys? Kraft schöpfte der Pfarrer und der Weihbischof Jahr für Jahr in seinen geliebten Bergen, wo er mitunter auch schon Viertausender bestieg und einmal einem seiner Jugendfreunde auf dem Piz Bernina das Leben rettete und sich dabei selbst Schulterbein und einige Rippen brach. Er liebte auch einen gepflegten "Schafkopf". Das Karteln hatte er schon seinen Kaplänen beigebracht. Und eingeschworener Fan des 1. FC Nürnberg war er auch schon seit seinen ersten Nürnberger Jahren. Auch nach seiner Emeritierung 1985 war der Weihbischof in vielen kirchlichen Aufgabenbereichen unermüdlich tätig, bis ihm sein hohes Alter zum Rückzug zwang.
Weltoffen und aufgeschlossen für die Menschen: so leistet Weihbischof Wiesend seinen Dienst. Auf seinem Primizbildchen stand der Satz: "Ich bin unter euch als einer der dient." Das war 1937. Im verantwortungsvollen Bischofsamt hat es Martin Wiesend nicht anders gehalten.