Eberhard von Venlo lebte im 15. Jahrhundert - einer Zeit, die auch als ?Dämmerstunde des finsteren Zeitalters` bezeichnet wird. Dass diese Einschätzung der damaligen Zeit einseitig ist und für das Bild der damaligen Gesellschaft und Kirche so nicht zutrifft, beweist die Gestalt dieses Kirchenmannes, der von 1463 bis 1475 Abt des Benediktinerklosters auf dem Michelsberg in Bamberg war.
Geboren ist Eberhard in Venlo, das heute in den Niederlanden liegt. Er wurde vom Bamber-ger Bischof Georg von Schaumberg (1459-1475) gebeten, die Zustände im Kloster auf dem Michelsberg zu verbessern. Denn dort hatten sich über die Jahrhunderte Sitten eingebürgert, die nicht den Idealen des Ordensgründers entsprachen: Die adeligen Konventualen verfügten über Privatbesitz – kümmerten sich aber nicht um den Gemeinschaftsbesitz, sondern behielten den Lebensstandard ihrer Herkunftsfamilien bei. So verfielen die Klostergebäude, Klosterbesitz wurde verpfändet und das religiöse Leben und der Gottesdienst wurden vernachlässigt. Bereits im 13. Jahrhundert gibt es Belege, dass das Kloster erheblich verschuldet war. Zusätzlich schadete dem Kloster die Plünderung durch Bamberger Bürger im sogenannten Immunitätenstreit 1435. Spätestens mit Weihbischof Johannes von Accon, der der Abtei seit 1453 als Verwalter vorstand, verschlechterte sich die Situation weiter. Während seiner Amtszeit sank die Zahl der Mönche auf sieben.
Eine Reform erschien dem damaligen Bischof Georg I. von Schaumberg dringend geboten. Er setzte 1461 Synodalstatuten in Kraft und ordnete das Dekanatsgericht neu. Auf eine Voll-macht von Papst Pius II. gestützt, begann Bischof Georg, von den Klöstern seines Hochstifts die Regeltreue einzufordern. Ab 1460 setzte er Reformen bei den Franziskanern, den Klarissen und auch bei den Benediktinern in Gang. Für das Kloster am Michelsberg holte er Verstärkung in Person eines neuen Abtes: Eberhard von Venlo.
Eberhard hatte zunächst als Sekretär des Humanisten Enea Silvio Piccolomini – des späteren Papst Pius II. – gearbeitet. Später trat er in den Konvent des Jakobsberges bei Mainz ein, der in den 1440er Jahren durch die Bursfelder Kongregation erneuert wurde. Seit 1456 stand Eberhard diesem Kloster als Abt vor. 1459 gehört Eberhard dem Präsidium des Kapitels der Provinz Mainz-Bamberg an. 1461 übertrug Papst Pius II. Eberhard von Venlo und Johannes von Bursfeld offiziell die Reform der Benediktinerklöster in Deutschland. Im Mai 1463 wurde Eberhard nach Bamberg versetzt.
Zusammen mit den Äbten Gunther von St. Peter in Erfurt und Berthold von St. Stephan in Würzburg zog Eberhard von Venlo nach Bamberg. In Begleitung von Bischof Georg I. von Schaumberg ging es auf den Michelsberg. Dort ermahnte der Bamberger Oberhirte die sieben Mönche, forderte eine bessere Einhaltung der Ordensregel ein und legte der Gemeinschaft eine Reform unter der Aufsicht von Eberhard auf. Der neue Abt ließ die Mönche zunächst eine Inventur des Klosterbesitzes vornehmen und zog die Schlüssel zu Kirche, Bibliothek, Keller und den Wirtschaftsräumen ein.
Doch dann kam es zu einer Revolte einiger Mönche: In der Nacht zum 22. Mai 1463 brachen vier Mitglieder des alten Konvents unter Federführung des bisherigen Priors Nikolaus Rabensteiner in die Sakristei der Klosterkirche ein und flüchteten mit Silber, Gold, dem Abtsstab und dem Konventssiegel zu Ritter Heinrich Fuchs auf die Waldburg bei Eltmann. Eberhard von Venlo und Bischof Georg exkommunizierten die flüchtigen Mönche und untersagten alle Hilfeleistungen an diese. Doch die Fronten blieben verhärtet, nicht zuletzt weil viele Adelige noch der Meinung waren, das Kloster müsse dem Adel vorbehalten sein. Bischof Georg I. und Abt Eberhard riefen schließlich den Kaiser, die Kurfürsten von Mainz, Köln und Trier und andere Fürsten auf, die Aufständischen zu unterwerfen. Abt Eberhard schickte sich an, in Rom um Unterstützung für das Reformvorhaben zu werben. 1468 erlahmte der Widerstand und Eberhard von Venlo konnte seine Reform weiter verfolgen.
Eberhard bemühte sich um die Eingliederung der Klostergemeinschaft in die Kongregation von Clus-Bursfelde. Dies geschah 1467. Nun umfasste der Konvent auch wieder mehr Mönche und Eberhard von Venlo ließ das Kloster mit liturgischen Büchern, Geräten und Kleidern neu ausstatten. Auch für eine Sanierung des Klostergebäudes sorgte der Abt. Unter ihm scheint das Kloster auf dem Michelsberg wieder zu neuem Ansehen zurück gefunden zu haben. Zahlreiche Klöster gingen mit dem Konvent Gebetsverbrüderungen ein. Außerdem bekam das Kloster einige Stiftungen zugesprochen.
Am 4. Juli 1475 starb Eberhard von Venlo. Doch seine Reform lebte in seinen Nachfolgern fort.